Die Rückstellungsuhr
Die Kammern bilden in erheblichem Maße Rücklagen und Rückstellungen. Was nach außen gern als vorsichtiges Wirtschaften daher kommt, entpuppt sich bei genauem Blick als maßloses Anhäufen der (Zwangs-) Beiträge. Der bffk hat ausdrücklich auch Rückstellungen für Pensionen in die Berechnungen mit einbezogen. Wir sind uns dabei darüber im Klaren, dass es selbstverständlich eine rechtliche Verpflichtung gibt, die gemachten Pensionszusagen auch auszufinanzieren. Allerdings wird dadurch der Sachverhalt völlig überzogener Pensionszusagen für die leitenden Mitarbeiter/innen nicht besser. Wenn eine IHK wie Stuttgart rund 64 Millionen Euro für Pensionen zurückstellen muss, dann wird deutlich wie unverantwortlich leichtfertig die Kammerorganisation hier mit den (Zwangs-) Mitgliedsbeiträgen umgeht.
Warum tickt die Uhr?
Nach Auswertung aller verfügbaren Wirtschaftspläne planen die Kammern auch für das Jahr 2009 einen weiteren erheblichen Anstieg der Rücklagen. Umgerechnet 1,05 € pro Sekunde sollen dies 2009 sein
Die Quelle unserer Zahlen - so haben wir gerechnet:
Folgende Prinzipien haben wir dabei beachtet:
2. Mit Quellenangaben und Belegen haben wir bis heute (07.10.2009) die Zahlen von 44 Kammern vorliegen. Die folgenden IHKn sind herzlich eingeladen, uns ihre Daten zu übersenden, die wir umgehend einpflegen werden:
Aachen, Arnsberg, Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Bremerhaven, Coburg, Detmold, Lahn-Dill, Duisburg, Düsseldorf, Emden, Erfurt, Essen, Freiburg, Gera, Halle, Konstanz, Leipzig, Pfalz, Rheinhessen (Mainz), Nordwestfalen/Münster, Offenbach, Oldenburg, Passau, Potsdam, Saarland, Schwerin, Südthüringen, Ulm, Schwarzwald-Baar-Heuberg, Wiesbaden, Wuppertal.
3. Für die vorliegenden 44 IHKn ergibt sich ein Schnitt von EUR 25.261.289,30 je Kammerbezirk. Wir haben konservativ für die ausstehenden 36 IHKn einen Schnittwert von EUR 15.000.000,00 angenommen.
Ein paar fallen also auf:
Stuttgart sitzt auf ca. 117 Millionen (davon rund 64 Millionen für Pensionen).
Berlin plant für 2009 weitere Rückstellungen und Rücklagen von min. 13,8 Millionen Euro. Das sind mehr als 20 % der Gesamteinnahmen. Die Konstanzer IHK (Hochrhein-Bodensee) rückt an ihre Mitglieder schon gar keine Zahlen heraus. Man solle "an der Ordnungsmäßigkeit der Verwaltung Ihrer Beiträge...nicht zweifeln." Die IHK Erfurt bietet an, die Zahlen im Kammergebäude einsehen zu lassen, was für manches Mitglied 200 km An- und Abfahrt bedeutet. In der Bielefeld IHK ist man ein Anhänger des Ungefähren. "Rund 18 Millionen" hat man. Abschreibungsbedarf gab es "ungefähr". Nachfragen sind unerwünscht.
Das liefern wir noch mit der Zeit:
Der bffk arbeitet zu Zeit an einer übersichtlichen tabellarischen Aufstellung. Angesichts der schlechten, unvollständigen Datenlage ein aufwändiges Projekt. Aber wir werden liefern! Dann werden für die einzelnen Kammerbezirke auch die Differenzierungen über die einzelnen Positionen der Rücklagen und Rückstellungen möglich.
Wir werden hier auch weitere Beispiele der teilweise herablassenden, unwilligen und oberflächlichen Antworten geben, mit denen IHKn versuchen sich ihrer Verantwortung zu Transparenz gegenüber ihren Mitgliedern und der Gesellschaft zu entziehen.
Das ursprüngliche Script der Rückstellungsuhr stammt von Jürgen G. Eixelsberger.
