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„Gesamtinteresse“ der Wirtschaft (?!) – ein Bericht  aus Absurdistan          (04. 08. 2011)

 

Absurdistan ist hierbei eine Teilrepublik von Kammerland – nämlich die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Diese hat im Rahmen eines hausinternen Beschäftigungsprogrammes eine Umfrage zur Nutzung der Sozialen Medien gestartet. So etwas fehlt in der digitalen Welt natürlich wirklich und also werden auf diesem Wege die Bedürfnisse der Unternehmen im Kammerbezirk passgenau ermittelt und womöglich dann als „Gesamtinteresse“ der Wirtschaft in die Öffentlichkeit getragen. Meint man in der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. In der Abteilung „Selbstbeschäftigungsförderung“.

Lassen wir einmal beiseite, dass Internetnutzer mit Umfragen von allen Seiten behelligt werden, sich aber auch seriöse Umfrage-Institute mit diesen Themen weitaus professioneller beschäftigen, als dies die „Lieschen-Müller-Umfrage“ der IHK kann.
Viel spannender ist ein Blick auf das eingesetzte Instrumentarium. Macht es doch beispielhaft deutlich, wie willkürlich und unstrukturiert das sogenannte „Gesamtinteresse“ der Wirtschaft ermittelt wird.
Der entsprechende Online-Fragebogen wird völlig offen im Internet dargeboten . Nun ist Transparenz das eine. Das andere ist, dass sich jede und jeder an dieser Umfrage beteiligen kann – auch mehrfach, auch aus anderen Kammerbezirken und Bundesländern. Falls die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern damit einem heimischen Unternehmer, der sich auf Dienstreise z.B. in Australien aufhält, damit die Möglichkeit zur Beteiligung gewähren wollte, so riskiert sie gleichzeitig die Beteiligung etlicher neuseeländischer Schafzüchter deutscher Abstammung, die sich die langen Winterabende (auf der Südinsel herrscht jetzt tiefster Winter) mit solchen Späßen verkürzen. Was dabei heraus kommt ist möglicherweise unterhaltsam, aber hat mit dem „Gesamtinteresse der Wirtschaft“ sicher nichts zu tun.


Dass es auch anders geht, zeigt eine aktuelle Umfrage der IHK Stuttgart zum Projekt „Stuttgart21“, durchgeführt von demselben Umfrage-Institut. Hier ist der Zugang zur Umfrage verschlüsselt und wer einmal seinen Fragebogen ausgefüllt hat, kann seine Angaben zwar korrigieren, Mehrfach-Abstimmungen sind aber nicht möglich.

Tatsächlich weist das Beispiel der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern auf ein Kardinalproblem der Kammern hin. Es gibt nämlich, und das gilt auch für die Stuttgarter Umfrage, bundesweit bei den Kammern keine strukturierten Systeme, Instrumente oder nachprüfbare Methoden, mit denen das sogenannte „Gesamtinteresse“ ermittelt werden kann. Wer danach fragt, erhält eine vage Melange aus Worthülsen über die Kompetenz und Kenntnisse des Haupt- und Ehrenamtes der Kammern. Ein Blick hinter die Kulissen – die Umfrage der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern – zeigt, wie diese Melange angerührt wird.

 

 

 


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