News-Ticker


29.05.2019


Misstrauensantrag gegen IHK-Chefin  -  Hamburger Reformprojekt in Trümmern

Jedem Scheitern wohnt ein Anfang inne..... so hat das Hermann Hesse natürlich nicht formuliert. Aber, wer das Scheitern nicht auch als Chance, als möglichen Anfang begreift, wird den Zauber, von dem Hesse tatsächlich gesprochen hat, nicht erleben können.
Das Reformprojekt der Initiative „Die Kammer sind WIR!“ in Hamburg ist gründlich gescheitert. Der Präses weg, das Bündnis zerlegt, Veränderungen kaum wahrnehmbar - so könnte die Kurzzusammenfassung lauten. Eine Analyse, die sich differenzierter mit diesem Scheitern auseinandersetzt, darf sich auf eine solche knappe Zusammenfassung natürlich nicht beschränken.

Die neueste Wendung ist nun aktuell ein Misstrauensantrag gegen die Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer. Gute Gründe dafür gibt es reichlich.

So war der Aufstieg von Frau Degen als Reformerin an die Spitze der Handelskammer schon bemerkenswert. Denn in ihrer beruflichen Tätigkeit in der IHK-Organisation war sie als eine solche Reformerin nirgendwo aufgefallen. Tatsächlich nutzte sie die Gunst der Stunde, sich ein reformerisches Mäntelchen überzustreifen. Sie hat dieses Mäntelchen nicht lange getragen. Nachfolgend eine knappe Übersicht ihrer „Erfolge“:

  • Degen - St. Petersburgeine aktive auf die offenkundig kammerkritische Mitgliedschaft zugehende Kommunikationspolitik – Fehlanzeige
  • eine offensive Kommunikation der tatsächlich vorzeigbaren Reform der Beitragsveranlagung – Fehlanzeige
  • Abrücken beim ersten Gegenwind vom angepeilten Ziel der Erhebung ausschließlich freiwilliger Beitrgäge  (zur Ehrenrettung muss hier angemerkt werden, dass die IHK-Geschäftsführerin hier nicht alleine war)
  • Flickwerk bei der Neuordnung der Finanzen/Rücklagen
  • vollständiges Scheitern der internen Organisationsreform
  • katastrophale Performance in der Hamburger Wirtschaft
  • höchst freizügiges – moralisch wie rechtlich fragwürdiges – Verteilen von Prämien an ehemalige Mitarbeiter*innen
  • mindestens eine nette Dienstreise nach St. Petersburg (mit viel freier Zeit und einem schönen Besuch eines Spiels der Fussball-WM; nur aus sportlichem Interesse: wer hat das Ticket bezahlt?)


Man darf am 06. Juni 2019 gespannt nach Hamburg blicken. Letztendlich entscheiden drei Grüppchen über diesen Antrag. Da sind die wenigen verbliebenen IHK-Traditionalisten um den Haspa-Chef, von denen vermutet wird,  dass sie sich aus der Kabale heraushalten werden. Dann gibt es die Gruppe um den Vizepräses Mücke, der in Ermangelung eines Präses die Handelskammer kommissarisch führt. Hier sind Reste von reformatorischem Eifer vereinzelt noch spürbar. In dieser Gruppe dürfte der Misstrauensantrag noch die meisten Unterstützer finden. Und dann sind da der Vizepräses Kai Elmendorf und seine Mitstreiter*innen, bei denen echter Reformeifer genauso wenig wie bei der IHK-Chefin zu verspüren ist, wenn denn einer solcher Eifer je vorhanden war. Hier dürfte Christi Degen auf Unterstützung hoffen. Über all dem steht die lähmende Angst, mit einer Abwahl der Hauptgeschäftsführerin das Scheitern bzw. die Fehleinschätzung hinsichtlich der Personalauswahl öffentlich und deutlich zu unterstreichen. Diese Sorge aber sollte im Plenum der Handelskammer niemand haben. Denn  das Scheitern bzw. die Fehleinschätzungen des Hamburger Reformprojekts sind nicht nur hinsichtlich der Personalauswahl jetzt bereits öffentlich und deutlich. Da gibt es nichts mehr zu verlieren.

PS.: Nicht verschwiegen werden soll hier, dass dieser Misstrauensantrag von Stefan Duphorn auf den Weg gebracht wurde, der auch Mitglied im Vorstand des bffk ist.

 

Anmerkung vom 27. Juni 2019:

Offenkundig räumt die Hamburger IHK-Chefin im Hinblick auf ihren bevorstehenden Abgang den Schreibtisch auf. Denn heute - gut einen Monat nach unserer Veröffentlichung - erreicht uns die nachstehende Nachricht mit der Bitte um Veröffentlichung. Frau Degen möchte dies als Richtigstellung verstanden wissen. Wir kommen dem Wunsch gerne nach, auch wenn tatsächliche Widersprüche zu unserer Veröffentlichung nicht erkennbar sind.


"Frau Degen hat nicht nur nachweislich das Ticket zum Fussballspiel selbst bezahlt und die darin enthaltene Visumsgebühr somit der Handelskammer erspart, sondern selbstverständlich auch nur die Übernachtungen für den dienstlichen Teil der Reise abgerechnet. Durch die frühere Anreise haben sich die Reisekosten nicht erhöht.  Der auf den privaten Zeitraum entfallenden Teil der Flugkosten hat Frau Degen als geldwerten Vorteil versteuert."

 


< nächster Artikel    früherer Artikel >