03.05.2021


Gastbeitrag des ehemaligen Präsidiumsmitgliedes Dr. Torsten Teichert zur geplanten Übernahme der HSBA durch die Handelskammer Hamburg

 

Dr. Torsten Teichert war von 2017 bis 2020 Vorsitzender des für Finanzen zuständigen Innenausschusses und Leiter des Hamburger Hochschulforums der Wirtschaft. Von 2017 bis 2019 war er Mitglied des Präsidiums der Handelskammer Hamburg.

Die Handelskammer Hamburg liebte früher immer Prunk und Protz. Roten Roben auf der einen Seite, eine eigene Privatuniversität auf der anderen. Mit der HSBA („Hamburg School of Business Administration“) schuf sich der damalige Hauptgeschäftsführer seinen eigenen Posten eines Hochschulchefs. Die anderen Hamburger Hochschulen sollten mal sehen, was (angeblich) ehrbare Kaufleute auch als Bildungsexperten auf die Beine stellen.
Über Jahre wurde die HSBA mit jährlich mindestens 650.000 Euro (zählt man die versteckten Zuschüsse dazu, kommt mehr als 1 Million Euro pro Jahr zusammen) aus Mitgliedsbeiträgen subventioniert. Die Kammer baute der HSBA auch noch einen Pracht- und Protzbau für 20 Millionen Euro, der inzwischen allenfalls noch die Hälfte wert ist und eine neue Nutzung sucht. Verbranntes Geld auch hier.
Die „Rebellen“ machten dem 2017 ein Ende. Eine private Hochschule, so befand auch die unter  Leitung von  Herrn Bertold Brinkmann eingesetzte Finanzkommission, zu der auch die jetzige Vizepräsidentin Frau Nissen-Schmidt gehörte, gehöre nicht zu den Kernaufgaben einer Handelskammer.
Unter dem Druck der Hamburger Presse und der ehemaligen Robenträger, die ihre Spielzeuge zu verlieren drohten, entschieden  sich das damalige Präsidium und Plenum gegen einen Verkauf der HSBA an einer der vielen wirtschaftlich erfolgreich operierenden Betreiber von Hochschulen. Käufer genug hätte es gegeben. Die hätten dann aber erst einmal angefangen, wirtschaftlich zu agieren – was eine Handelskammer bekanntlich nicht kann. Also gab man der HSBA noch eine Mitgift und übergab sie einem frisch gegründeten neuen Verein, der mit großen Worten die güldene Zukunft der HSBA beschwor.
Wie so oft waren die Worte lauter als die Taten. Wenige Tage, nachdem die Handelskammer die HSBA an den neuen Verein abgegeben hatte, wurde ein absurd überteuerter Mietvertrag für die HSBA geschlossen. Man war noch auf dem Höhenflug. Doch nach dem Hochmut kam der Fall.  Kein einziger Hamburger Unternehmer wollte auch nur einen Heller in die HSBA investieren. Ohne die Subventionen geriet die Hochschule schnell in Schieflage. Still und heimlich suchte man die Rettung durch die Wissenschaftsbehörde. Fehlanzeige. Man halbierte die Studiengänge, reduzierte das Personal um 20 Prozent und senkte die Zahl der Professor*innen von 32 auf 24. Aber alles vergebens. Inzwischen hatte  die öffentliche Universität in Hamburg Exzellenzstatus erreicht, die HSBA als hoch gepriesene „Uni der Wirtschaft“ konnte mit Geld nicht umgehen. Von Bildungs-Exzellenz war keine Rede mehr.
Als die Handelskammer ihre eigene Universität aufgab, veränderte sich das Verhältnis zu den anderen Hochschulen schlagartig zum Positiven. Doch jetzt steht –wie in vielen anderen Bereichen- das Roll Back unmittelbar bevor. Die Handelskammer Hamburg will die notleidende HSBA wieder übernehmen – um damit nach eigenen Worten ein neues Bildungsunternehmen aufzubauen.
Wenn die Hamburger Handelskammerjetzt die HSBA wieder übernimmt, so ist das ein Eingeständnis, dass die HSBA allein nicht überlebensfähig ist – und dass es in der Hamburger Unternehmerschaft kein Interesse daran gibt, die Hochschule mit privaten Mitteln zu fördern.  Die Hamburger Wirtschaft jedenfalls wollte die HSBA mit eigenen Mitteln nicht retten. Jetzt sollen es die Zwangsbeiträge der Kammermitglieder wieder einmal richten. Das Präsidium hat schon vor einem Jahr die HSBA aus dem Mietvertrag für den Protzbau entlassen (und damit auf vertraglich vereinbarte Einnahmen verzichtet – man hat es ja…), der private Vermieter reduzierte die Miete natürlich nicht. Wie immer.
Das im Angesicht der Pleite erstellte Restrukturierungsgutachten kündigt für 2025/2026 wieder positive Zahlen in der HSBA an. Wer es glaubt… Aber so ist die Logik von Restrukturierungsgutachten: Irgendwann muss es schwarze Zahlen geben, sondern werden die Deckel zugeklappt.  In den nächsten Jahren sollen jedenfalls wieder Zwangsbeiträge der Mitglieder dafür genutzt werden, die HSBA zu subventionieren – und damit den anderen privaten Hochschulen Konkurrenz zu machen.  Der Eigenbetrieb einer privaten Hochschule durch die Handelskammer Hamburg war und ist ein gravierender Verstoß gegen die Wettbewerbsgleichheit.
Aber in der Handelskammer ist man schlau, wenn es um Zahlungsströme geht. Um die Subventionierung zu kaschieren, soll die HSBA mit der HKBiS fusioniert werden. Die HKBiS bietet gegen Entgelt Weiterbildungsmaßnahmen für gewerbliche Berufe an. Noch eine Konkurrenz gegen Mitglieder. Der Witz nun: Einnahmen, die mit Nicht-Studierten erzielt werden, nutzt die Handelskammer, um Studierende zu subventionieren. Mal sehen, was die Azubis dazu sagen.
Für die Zwangs-Mitglieder der Handelskammer ist das eine unerträgliche Entscheidung des jetzigen Präsidiums. Sie sollen wieder einmal die Zeche für Missmanagement und falsche Kostenstrukturen tragen.
Aber immerhin eines ist heute klar: Die Entscheidung von Plenum und Präsidium im Jahr 2017, die HSBA abzugeben, stellt sich jetzt als goldrichtig heraus. Damals wurden unsere Einschätzungen, das sei ein Fass ohne Boden, bezweifelt. Heute wissen wir, dass das Fass leergelaufen ist. Nun soll es wieder mit Zwangsbeiträgen aufgefüllt werden.
Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass die Handelskammer die HSBA übernimmt. Auf dem Markt dürfte es genügend erfahrene Betreiber von Hochschulen geben, die die HSBA übernehmen würden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Aufsichtsbehörde der Handelskammer diese Subventionsverzerrung untersagt. Ansonsten dürfte es jede Menge Klagen von Mitgliedern dagegen geben.
Im Ergebnis wird nun deutlich, dass das neue Präsidium keine Erneuerung der Handelskammer will. Die Übernahme der HSBA macht deutlich, dass die alten Zöpfe wieder angeklebt werden sollen. Willkommen in der Vergangenheit. Mal abwarten, wann die roten Roben wieder aus dem Schrank geholt werden.


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