Schlammschlacht in den IHKn von Mecklenburg-Vorpommern
Für den Präsidenten der IHK Rostock müssen die in der ARD-Dokumentation "Eingewandert, ausgebeutet: Azubis aus Drittstaaten um jeden Preis?" erhobenen Vorwürfe gegen den Präsidenten der benachbarten IHK Neubrandenburg wie ein Geschenk gewesen sein. Sieht er sich doch massiven Manipulationsvorwürfen im Zusammenhang mit den anstehenden Kammerwahlen ausgesetzt. Nun aber rücken die in der ARD erhobenen Vorwürfe gegen Krister Hennige in den Vordergrund, der von ausländischen Azubis Kautionen erhoben hatte, um einen möglichen Abbruch der Ausbildung entgegenzuwirken. Überrascht darüber, dass auch ein hoher IHK-Funktionär zu solch rabiaten und nach Einschätzung von Gewerkschaften unzulässigen Methoden greift, kann nur sein, wer in der IHK-Organisation immer noch den Hort ehrbarer Kaufleute sieht. Immerhin scheint IHK-Präsident Hennige seinen Fehler erkannt zu haben. Eine solche selbstkritische Perspektive sucht man bei seinem Kollegen in der IHK Rostock vergebens. Sein Irrlichtern von Wahlgruppe zu Wahlgruppe, um sich sein Pöstchen zu sichern, wird wortreich – und wie dem bffk zugetragen wurde – auch juristisch energisch verteidigt.
Die Aufregung um den Neubrandenburger IHK-Chef kommt da zur Ablenkung gut gelegen. In einem gemeinsamen Schreiben mit der Führung der IHK Schwerin, welches dem bffk zugespielt wurde, gibt der Rostocker IHK-Präsident Strupp nun den Saubermann und fordert seinen Kollegen in Neubrandenburg zum Rücktritt auf. Dabei wird gleich die gesamten Zusammenarbeit in der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Mecklenburg-Vorpommern auf Eis gelegt, was dann tatsächlich lächerlich ist. Ganz offenkundig haben die alltägliche Koordination und Zusammenarbeit zwischen den IHKn und die Skandale und Skandälchen an den Spitzen der IHK, ob nun in Rostock, Schwerin oder Neubrandenburg nichts miteinander zu tun. Gleich die gesamte Zusammenarbeit einzustellen entlarvt die IHK-Saubermänner. Offenkundig geht es weniger um das Wohl und Wehe der IHKn und ihres – bei den Mitgliedern ohnehin schwer ramponierten – Ansehens als um Effekthascherei. Ob der IHK-Präsident in Neubrandenburg gut beraten ist, im Amt zu bleiben, wird sich zeigen müssen. Dass aber nun ausgerechnet der Rostocker IHK-Präsident zum Halali bläst und Rücktrittsforderungen in die Welt setzt, geht in den Bereich der Realsatire und verdeutlicht einmal mehr, was von den „ehrbaren IHK-Kaufleuten“ zu halten ist....nichts!
Link zum Brief der IHKn Rostock und Schwerin an die Führung der IHK Neubrandenburg
29.07.2026