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02.10.2015


Widerspruch PK Headline
 

 

Praxistest Berlin – wenn die Pflege endlich über die Pflege redet

Angekündigt war für gestern ein "Fachdialog" unter der Überschrift „Wie geht es weiter bei der Pflegekammer?“ Eingeladen hatte der Berliner Sozialsenator, der sich auf die Einführung einer solchen Pflegekammer festgelegt hat.
Tatsächlich aber zeigte sich vom ersten Redebeitrag an, dass die Befürworter der Pflegekammer immer noch um Akzeptanz ringen und die Pflegekräfte, die sich langsam bewusst werden, was da auf sie zukommt, versuchen dem Unheil noch Einhalt zu gebieten. Also stand das Für und Wider, das Pro und Contra ganz oben auf der Agenda. Bei dem „Wie“, auch das zeigte sich rasch, wird es eine wirkliche Mitsprachemöglichkeit der Pflegekräfte nicht geben.
Denn auch das war zu bestaunen, wie das aussieht, wenn endlich „die Pflege über die Pflege redet“. Denn darum soll es ja bei der Pflegekammer ja angeblich gehen.


Der Fachdialog beginnt also mit einem Vorwort des Sozialsenators, es folgt ein Vortrag des Fraktionsvositzenden der SPD im Landtag von Rheinland-Pfalz. Dem schließt sich noch ein Vortrag eines Vorstandsmitgliedes des Gründungsausschusses der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz an (der jetzt Lehrer ist, irgendwie aber auch mal Pfleger war), worauf der 2 Vorsitzende der Gründungskonferenz in Niedersachsen einen Einblick in die Vielfalt seiner Vortragsfolien über die Geschichte der Pflegekammern im allgemeinen und der Niedersachsen im speziellen gewährt. Er outet sich als Pfleger mit Parteibuch. Jetzt sind die ersten 75 Minuten in einem vollen Saal mit Pflegekräften, denen die Beteiligung an einer Diskussion versprochen wurde, vorbei. Zeit zum Diskutieren ist aber immer noch nicht. "Verständnisfragen" dürfen immerhin gestellt werden. Womit die Rollenverteilung klar ist. Das Pflegevolk darf fragen; die Antworten kommen von vorn. Ich musste dann zum Zug, weswegen ich die Podiumsdikussion, die sich an die Fragerunde anschließen sollte, bei der dann noch ein Herr der CDU, eine Dame der Grünen und noch ein Herr der Piraten zusätzlich zu den Eingangsreferenten zu Wort kommen sollten, verpassen musste. Wenn von denen jede(r) nochmal 10 Minuten beansprucht hat, was ich für eine ziemlich vorsichtige Kalkulation halte, dann muss sich ungefähr 2 ½ Stunden nach Beginn der Veranstaltung ein echt spannende Diskussion ergeben haben. Aber vielleicht waren nach einem langen Arbeitstag – der „Fachdialog“ begann um 17:00 Uhr – auch etliche Pflegekräfte schon gar nicht mehr da, um zu erleben wie es sein könnte, wenn „die Pflege über die Pflege redet“.

Erkenntnisse brachten die pflegefernen Monologe dennoch. Nämlich die, das der Aufbau einer neuen weiteren Verwaltung dann tatsächlich zu einer neuen weiteren Verwaltung führt. Die vor allem verwaltet und die sich dann von der Pflege schon ordentlich entfernt hat. Wenn sich z.B. der Vertreter des Gründungsausschusses in Rheinland-Pfalz über die schöne Zahl der Registrierungen freut (Stand 01.10.2015 = 23.100) und vergisst zu erwähnen, dass dies in erheblichem Maße unter der Drohung eines Zwangsgeldes erreicht wurde, dann zeigt das ein ebenso „schönes“ Maß an Realitätsverlust. Wenn der niedersächsische Pflegekammerfreund meint, die aufgestellten Haushaltspläne seien bestimmt „irgendwo einzusehen“, dann wüsste man gerne wo und wann das tatsächlich im wirklichen Leben möglich ist. Der Gründungsausschusses der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz hat jedenfalls eine entsprechende Anfrage des bffk bis heute nicht beantwortet. Erkenntnisse bringt auch das flammende Plädoyer des rheinland-pfälzischen SPD-Vertreters für notwendige und alternativlose Transparenz der Kammern. Das ist der führende Vertreter der SPD in Rheinland-Pfalz, die mit dafür gesorgt hat, dass die Kammern dort ausdrücklich nicht unter das Transparenzgesetz fallen und ergo eine solche Transparenz nicht praktizieren müssen. Die Pflegekammer, so meint er, könne das ja später selber beschließen.

Die Pflegekräfte jedenfalls konnten sich bei dieser Gelegenheit einen Eindruck davon verschaffen, dass sie in der neuen Pflegekammer auch nichts zu melden haben. Das erledigen für sie alles jede Menge Pflege-Verwaltungsfunktionäre und jene, die auf dem besten Wege sind, es zu werden.


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